Du darfst so sein wie du bist und über dich hinaus wachsen

Unsere Mitreisende Christine Schreiner Mader hat eine Geschichte für den LaunchExpress geschrieben. Es geht dabei um eine kleine Hündin, die sich auf eine Reise begibt um die Welt zu entdecken und letztlich nach einigen Umwegen eine wundervolle Community findet, in der sie so sein darf wie sie ist und über sich hinaus wachsen kann.

Die Geschichte von Nelli

Nelli, eine kleine Mischlingshündin, mit braun-weißem Kurzhaarfell, machte sich eines Tages auf den Weg herauszufinden, wo sich die schönsten Plätze der Welt befinden.

Nelli wurde in einem Land geboren, in dem es sehr warm ist und es ausreichte eine einfache Hütte zu besitzen, um es behaglich zu haben. Laue Temperaturen, Sonne, Schatten von Platanen und der Duft von Meer und Fisch – mehr brauchte die kleine Hündin nicht, um sich in ihrer Umgebung sehr wohlzufühlen.

Nelli hatte viele Freunde und sie war oft im Rudel unterwegs.

Liebend gerne fraß sie den einen oder anderen Fisch, den ihr ein junger Fischer in einem kleinen Hafenstädtchen zu warf, wenn er seine Netze nach getaner Arbeit flickte. Der junge Fischer, der immer eine rote Kappe trug, bemühte sich jeden Tag um Nelli. Er sprach ganz ruhig auf sie ein und lockte sie mit einem Fisch, sich ihm zu nähern. Nelli war immer ganz aufgeregt, wenn sein Boot im Hafen anlegte und wedelte kräftig mit dem Schwanz, wenn sie ihn sah. Aber ihm dem Fisch aus der Hand zu nehmen, davor hatte Nelli doch ziemlichen Respekt – und so war sie immer froh, wenn ihr nach einiger Zeit des Bemühens der Fisch zugeworfen wurde und sie sich mit dem Fisch in einen ruhigen Winkel verziehen konnte, um ihn zu fressen. Der Wunsch Vertrauen zu fassen und sich bei dem jungen Fischer aufzuhalten war groß. Die bisherigen Erfahrungen hatten Nelli aber sehr vorsichtig gemacht.

Obwohl Nelli noch eine junge Hündin war, hatte sie bereits ein bewegtes Leben hinter sich. Sie musste rasch lernen erwachsen zu werden. Nelli’s Rudelführer war kein einfacher Rüde. Alle hatten Respekt und sogar Angst vor ihm. Der Rüde schnappte häufig ohne Grund einfach zu – man konnte ihn nicht wirklich einschätzen. Und dann gab diesen Moment als Nelli bemerkte, dass sie sich im Rudel nicht mehr sicher und wohl fühlte und es Zeit für den Abschied war.

Da Nelli eine sehr neugierige und wissbegierige Hündin war, begab sie sich damals zum ersten Mal auf Wanderschaft. Sie lernte viele unterschiedliche Hunde und Menschen kennen. Manche zogen ein Stück mit ihr mit. Einige von ihren Wegbegleitern schloss sie ganz innig ins Herz und bei anderen war sie wieder froh, wenn sich die Wege trennten, so wie bei Rio, einem Straßenhund.

Mit Rio begann das Leben zunächst ganz lustig und unbeschwert zu sein. Mit einer großen Vorliebe durchstreiften sie gemeinsam weite Landstriche, machten Rast wo es ihnen gefiel und sie fanden viele gemeinsame Freunde. Nelli spürte, wie schön es war nicht mehr alleine zu sein. Doch eines Tages war alles anders. Rio veränderte sich ganz plötzlich, wollte von Nelli nichts mehr wissen und machte sie vor allen Hunden lächerlich. Nelli verstand die Welt nicht mehr – was in aller Welt war denn passiert, das Rio sie plötzlich als Konkurrentin sah. Es war ihre besondere Art bliebt zu sein, die ihn störte.

Nelli haderte mit sich und zugleich wusste sie, dass es Zeit war, weiter zu ziehen und den Rudel zu verlassen. Mit gesenktem Kopf, eingezogener Rute und vielen schweren Gedanken machte sie sich auf den Weg – auf den Weg ins Ungewisse.

Nach einigen Tagen der Wanderschaft, fasste Nelli wieder Mut. In vielen Dörfern, hörte sie Geschichten von den schönsten Plätzen dieser Welt und die Neugierde in ihr begann größer zu werden.

„Ich habe ja noch so wenig gesehen von dieser Welt, das kann doch noch nicht alles gewesen sein.“

Nelli war wieder ganz die Alte – entschlossen, neugierig und mutig, weitere schöne Plätze zu finden, die geeignet sind, um dort zu verweilen, zu rasten oder vielleicht einmal sesshaft zu werden.

Und siehe da, Nelli fand einen Ort nach dem anderen und konnte gar nicht sagen, welcher der schönste ist. Manche Orte luden tatsächlich zum kurzen Verweilen ein und an manchen Orten blieb sie auch einen ganzen Monat oder länger.

Bis Nelli in diesem Hafen ankam – einem ganz speziellen Ort.

Überall wurde sie freundlich aufgenommen und fand sofort Anschluss. Die Regeln im Rudel waren hier ganz anders – jeder konnte so sein wie er war und es war klar, dass jeder einzelne Hund des Rudels etwas ganz besonderes war und akzeptiert wurde. Niemand wurde wegen irgendwelcher Makel ausgestoßen. Diese Ruhe und Akzeptanz war neu für Nelli und sie genoss ihr Hündinnen-Dasein.

In Nelli wurde es immer ruhiger und das fühlte sich gut an für sie. Diese Ruhe war auch für die anderen Hunde spürbar. Wenn sie gefragt wurde, wie sie denn zu dieser inneren Ruhe komme, erzählte Nelli von ihrer inneren Gewissheit, dass sie wisse, dass ihr Weg der richtige sei und sie es erkennen werde, wann sie am Ziel ist, um es sich häuslich einzurichten.

„Wisst ihr“, sagte Nelli zu den anderen Hunden, mit denen sie wieder einmal gemütlich herumhing, „ihr müsst euch nur trauen, euren Weg zu gehen und dieser Weg darf anders sein, als der von anderen“.

„Habt Mut und glaubt an Euch“, diese Worte sprach Nelli ganz bedächtig aus und erinnerte sich an die Zeit als sie sich verzagt auf den Weg begab.

Ein gutes, warmes Gefühl breitete sich in ihr aus und erfüllte sie mit Stolz. „Das hast du gut gemacht“ sagte Nelli zu sich und streckte neugierig die Nase in die Luft um den Duft dieses Ortes einzuatmen, „Ich weiß dass mein Traumplatz kommen wird, wo ich bleiben will und ich freue mich auf die vielen weiteren Eindrücke und Begegnungen auf dem Weg dorthin.“

Eines Morgens schlenderte Nelli wieder am Hafen herum und sah schon von weitem die gebückte Haltung des jungen Fischers mit seiner roten Kappe bei der Arbeit. Nelli freute sich ihn zu sehen und begann etwas schneller zu laufen.

Wie durch Magie schien der junge Fischer zu spüren, dass Nelli in der Nähe war und begann den Blick auf sie zu richten. „Hallo da bist du ja wieder. Komm, ich hab was für dich“ rief er mit freundlicher Stimme und winkte mit seiner Hand.

Nelli war heute fest entschlossen sich näher an den jungen Mann zu wagen. Etwas mulmig war ihr schon zu Mute, aber irgendetwas in ihr sagte „Trau dich, versuch es – und wenn es darauf ankommt, kannst du ja ganz schnell weglaufen!“

Heute hatte der junge Fischer mit der roten Kappe zwei Fische in der Hand. Wie gewohnt hockte er sich hin und lockte Nelli freundlich zu sich. Nelli blieb stehen und schaute – „soll ich mich trauen?“ überlegte sie. Verlegen blickte sie zur Seite und senkte den Kopf. „Schau, die sind für dich“ sprach er ruhig. Und als der junge Fischer aufstehen wollte, um ihr die Fische zu zuwerfen, spürte Nelli eine Kraft und Sicherheit in sich, die es möglich machte auf den jungen Fischer zuzugehen. Als dieser bemerkte, dass Nelli auf ihn zukam, hockte er sich wieder nieder und nahm sich alle Zeit der Welt, bis Nelli ihm einen Fisch aus der Hand nahm. Nelli berührte kurz mit der Schnauze seine Hand, bevor sie sich den Fisch schnappte. Es hatte geklappt, sie hatte es geschafft – überglücklich verzog sich Nelli wieder in ihre Ecke am Hafen und der junge Fischer schmiss ihr noch den 2. Fisch nach, den sie sich als Belohnung verdiente.

Christine Schreiner Mader: Die Geschichte von Nelli, auf der Suche nach den schönsten Plätzen der Welt.